arti kann lesen! – #1 „Grün & Gold“ von Lisa Brenner

Als Schreiber und Zeichner fühle ich mich dem Medium Comic besonders verbunden.

Auf der Dokomi und anderen Cons habe ich mittlerweile ziemlich viele Comics gekauft, die ambitionierte Künstler in Eigenregie publiziert haben. So viel Leidenschaft muss belohnt werden! Und sei es nur durch die Generierung von ein bisschen virtueller „Sichtbarkeit“.

Darum habe ich beschlossen, zu all den Comics Rezensionen zu posten. Sie werden alle nach dem gleichen Muster aufgebaut sein: Erst kommt eine Kurzvorstellung des Künstlers, dann betrachte ich Story, Figuren sowie Stil und fasse meine Bewertung dann in einem Fazit zusammen.

Keine Sorge: Hier wird nichts schlecht bewertet. Wer also auf der Suche nach Drama ist, soll sich irgendwelche 1-Sterne-Kommentare bei amazon durchlesen. 😉

Das bedeutet auch, dass die Künstler keine Angst zu haben brauchen, dass ich etwas Schlechtes über ihre Comics schreibe. Falls mir einmal ein Comic so absolut nicht gefällt und ich ihn für Schund halte, wird er hier nicht vorkommen. Dafür ist mir meine Zeit zu schade.

Starten wir durch mit dem ersten Werk, das ich schon im Zug auf dem Rückweg von der Dokomi 2017 gelesen habe:

„Grün & Gold“ von Lisa Brenner

grün & gold by Lisa Brenner

Die Künstlerin

Lisa Brenner hat es richtig gemacht: Sie hat Kommunikationsdesign studiert! (Das wollte ich auch, habe aber nicht mal die Eignungsprüfung bestanden, LOL). Jetzt arbeitet sie hauptberuflich als Illustratorin und hat eine ziemliche Bandbreite an Stilen und Techniken. Schaut auf ihrer Webseite vorbei und überzeugt euch selbst!

Story

Lisa kann nicht nur toll zeichnen, sondern auch hervorragend erzählen. Die Geschichte spielt in einem Internat, in dem gerade neue Schüler ankommen: Weg von zuhause, in einer fremden Umgebung. Da ist Heimweh natürlich vorprogrammiert. Aber auch die älteren Schüler, die nach den Ferien gerne ins Internat zurückkommen, haben so ihre Probleme und Geheimnisse. Viel gelüftet wird davon noch nicht, so dass man auf jeden Fall angefixt wird und gespannt auf die Fortsetzung wartet.

Obwohl der Comic mit 84 Seiten echt dick ist, hat die Geschichte gerade erst angefangen.

Figuren

Figuren machen eine gute Erzählung aus. Der beste Plot ist ohne gute Figuren nichts wert – und die Figuren in Grün & Gold sind klasse! Keine Stereotypen, nachvollziehbare Konflikte, gut durchdachte Dialoge – alle Figuren fühlen sich authentisch an. Darum fiebert man bei ihren Problemen und Konflikten mit. 

Lisa nimmt sich Zeit für die Figurenentwicklung, und das ist gut so. Man könnte meinen, in dem Comic passiere nicht viel, dann hat man aber womöglich die falsche Perspektive. Im ersten Band werden v.a. die Charaktere etabliert und das auch noch richtig gut. Trotzdem passiert genug, um einen Spannungsbogen aufzubauen, der sich in den nächsten Band fortsetzt (wann erscheint der? Ich muss weiterlesen!).

Zeichenstil

Um noch das i-Tüpfelchen aufzusetzen, ist nicht nur die Story gut und die Figuren super, sondern auch der Zeichenstil und die Kolo sind exquisit. Lisa hat einen ganz eigenen, individuellen Stil, was ich absolut großartig finde. Es ist kein typischer Mangastil, obwohl ich den Eindruck hatte, dass sie zwischendurch Elemente daraus entlehnt. Weil ich aber zugegebenermaßen (jetzt kommt’s raus!) keine Ahnung von Manga habe, könnte mich mein Urteil auch trügen.

Zwischendurch gibt es bewusste Stilbrüche, bei denen die Figuren sehr cartoony werden, um einen humoristischen Effekt zu erzielen. Funktioniert superb! Ich bin mir nicht sicher, aber in dieser Form kenne ich das nur aus Mangas.*drop*

Die Lines sind teilweise nicht so super clean, das finde ich aber eigentlich ein schönes stilistisches Mittel, das Dynamik in die Linienführung bringt und den comichaften Charakter unterstreicht.

Der Comic ist in Vollfarbe gedruckt, was ich persönlich auch sehr schön finde. Vom Verein her weiß ich, dass der Farbdruck eine Kostenfrage ist. Aber Farben tragen selbst noch mal eine eigene Bedeutungsebene bei und ich finde daher, dass etwas verloren geht, wenn Comics nur in s/w erscheinen. In Grün & Gold ist die Kolo wahnsinnig detailliert und effektvoll eingesetzt. Das verleiht dem Comic ein sehr hochwertiges Aussehen. Man merkt direkt: Da ist ein Pro-Expert am Werk.

Die Panelaufteilung und die Leserführung mittels Sprechblasen sind ebenfalls auf hohem Profi-Niveau: Keine Verwirrungen, wann welches Panel oder wann welcher Redebeitrag kommt. Weil ich mich gerade selbst intensiv mit diesem Thema befasse, war es für mich hier sehr schön zu sehen, wie Panelaufteilung formvollendet eingesetzt wird.

Fazit

Ich habe bewusst wenig über die Geschichte und die Figuren verraten und eher auf einer Metaebene bewertet. Ich halte zum einen nichts von inhaltlichen Nacherzählungen in einer Rezension, zum anderen möchte ich anderen potenziellen Lesern nicht zu viel spoilern.

Was ist also das Fazit zu Grün & Gold? Wie man merkt, war ich von dem Comic begeistert! Ich mochte die Figuren, den Schreib- und den Zeichenstil. Ich wurde immer gewarnt vor den Comiczeichnern die meinen, sie könnten *gasp* auch schreiben. Nun, Im Fall von Lisa trifft es einfach zu. Sie ist eine grandiose Geschichtenerzählerin mit einem Talent für Character Development. Unbedingte Kaufempfehlung! Vor allem für Leute wie mich, die selbst Comics zeichnen möchten: Hier sieht man, wie frau es richtig macht! 😉

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