arti kann lesen! – #2 Ivy Road 1 by Katharina Kirsch

Die nächste Rezi ist da! 😀
Wie hier beschrieben, werde ich hier keine Verrisse posten. Zusammenfassend: In der Reihe „arti kann lesen!“ rezensiere ich Comics, die ich im Verlaufe der Zeit auf Cons gekauft habe und die mir sehr gut gefallen.

Ivy Road 1 von Katharina Kirsch

ivy road cover katharina kirsch kachakatching

Die Künstlerin

Katharina Kirsch, oder auch Kacha, hat eine Ausbildung zur Grafik-Designerin gemacht und arbeitet jetzt als Illustratorin und Grafikerin.  Schon im Kindergarten hat sie einen 18-seitigen Comic in Vollfarbe vollendet und diese Leidenschaft hält bis heute an. Ihr findet sie bei Facebook und bei tumblr. Ivy Road ist schon ihre zweite Reihe. Zuvor hat sie den Comic Nachtläufer mit zwei Bänden abgeschlossen.

Story

Als ich das Cover von Ivy Road an Kachas Stand auf der DoKomi 2017 gesehen habe, dachte ich erst: Ooookay, das ist mit Sicherheit so ein Pokémon-Digimon-Abklatsch-Dings! Aber weit gefehlt. Tja, man sollte ein Buch eben nie nach seinem Einband respektive einen Comic nicht nach seinem Cover beurteilen. 

Zur Story: Der junge Ben gelangt auf Umwegen an die Erkenntnis, dass es Monster gibt und er in der Lage ist, übernatürliche Dinge zu sehen, die für andere Menschen unsichtbar bleiben.

Die Handlung beginnt direkt mit einem Downer, was den Leser nach der schönen, bunten Außengestaltung recht unerwartet trifft. Dadurch ist es unklar, wo die Geschichte von diesem Punkt aus hinführt. Die Story entwickelt sich dann tatsächlich in eine noch unerwartetere Richtung, die Handlung wird zunehmend durchgedrehter und absurder – so mag ich das!

Die Story ist sehr gut geschrieben. Das Pacing – also die Erzählgeschwindigkeit – ist ideal: Es gibt keine Längen, aber auch keine zu schnellen (rushed) Momente, Action und Ruhepausen nehmen den perfekten Platz ein. Der Aufbau der Spannungsbögen erfolgt also immer im Fokus direkter Leseraufmerksamkeit. Und auf Deutsch bedeutet das: Der Leser wird durch die Erzählweise so gelenkt, dass er nie einen Durchhänger in der Aufmerksamkeit hat, oder wegen zu viel Hektik wichtige Infos nicht mitbekommt, sondern die ganze Zeit hindurch die Handlung gefesselt mitverfolgt. Chapau!

(Ich wünschte, ich könnte das auch! Es ist einfach soooo gut!) 

Figuren

Ivy Road ist eher actionlastig, trotzdem gibt es schöne, subtile character moments. Ich persönlich mag es sehr gerne und halte es obendrein für großes, schreiberisches Können, wenn Figurenbeziehungen ohne lange, ausformulierte Dialoge auskommen, weil die meines Erachtens oft gekünstelt oder zumindest wie Fremdkörper wirken. Wer quatscht schon wohl-reflektiert über seine Gefühle?

Kacha lässt ihre Figuren eine Beziehung aufbauen, ohne dass dieser Vorgang kommentiert wird. Auch wenn die Handlung also viele Fantasy-Elemente hat, so ist die Zeichnung der Figurenbeziehung ziemlich authentisch. Chapau once more!

Obwohl man im ersten Band neben der ganzen Action noch nicht allzu viel über die einzelnen Figuren erfährt, sind sie authentisch und sympathisch ausgestaltet, so dass man Ben und Dominick richtig lieb gewinnt und neugierig wird, wie es mit den beiden weitergeht.

Zeichenstil

Im Vergleich zum letzen Comic haben wir es hier vom Stil er eher mit einem typischen Manga zu tun. Anatomie und Hintergründe sind also recht realistisch, die Figuren selbst werden – wenn es die Komik verlangt – auch schon mal sehr cartoony. Insgesamt sind die Zeichnungen superb. Vor allem die detaillierten Hintergründe haben es mir angetan, man fühlt sich richtig wie im Sommer in einer Berliner Vorstadt (ich habe keine Ahnung, wie ich auf Berlin komme, im Text habe ich das beim zweiten Lesen nämlich gar nichts gefunden, was auf die Verortung hinweisen würde … die Bilder vermitteln zumindest das Gefühl, als sei es Berlin).

Der Comic/Manga ist schwarz-weiß, was hier aber recht gut funktioniert. Ich bin zwar eher ein Fan von Vollfarb-Comics, aber Kacha hat die Graustufen hier so gekonnt eingesetzt, dass man nach Seite 2 schon vergisst, dass es keine Farben gibt.

Die Panelaufteilung und die Leserführung durch Sprechblasen ist sehr, sehr gut – gerade in den Actionszenen macht sich das bemerkbar. Action mit all ihren Bewegungsverläufen auch als solche rüberzubringen ist in einem Comic, in dem einem nur statische Bilder zur Verfügung stehen, recht anspruchsvoll. Kacha hat das hier wundervoll gelöst. Zu keinem Zeitpunkt ist man irritiert, sondern es ist immer klar, was passiert und aus welcher Perspektive wir die Szene sehen.

Was mir zwischendurch sehr aufgefallen ist, ist der exzessive Gebrauch von Onomatpoetika. Nachdem mich das zuerst richtig gestört hatte, bin ich im Verlauf des Comics zu der Einsicht gelangt, dass es sich hier um den bewusst überzogenen Einsatz dieses Stilmittels handeln muss, um einen humoristischen Effekt zu erzielen – so übertrieben ist das Ganze. Wenn man es von vornherein so betrachtet, kann man über die ganzen Geräusche ziemlich gut schmunzeln.

Fazit

Ivy Road ist eine fantastische Geschichte mit sehr authentischen Figuren. Ich muss mir unbedingt den nächsten Band besorgen! Darum spreche ich auch wieder eine unbedingte Kaufempfehlung aus.

Hier haben wir wieder ein Beispiel für eine Zeichnerin, die auch verdammt gut schreiben kann! Langsam halte ich dieses Klischee vom Zeichner, der zwar schöne Bildchen malen, aber keine kohärente Geschichte erfinden kann, für Mumpitz!

Ob man Geschichten jetzt aufmalt oder schreibt – Erzählung bleibt Erzählung. Und Kacha ist eine hervorragende Geschichtenerzählerin. Ich lasse mich im nächsten Band gerne wieder entführen.

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