Textgenese: Die Puzzle-Analogie

Der Entstehungsprozess eines Textes ist vielschichtig – manche sagen sogar, er sei nie abgeschlossen, ein Text sei immer im Fluss. Ich sehe das ähnlich: Zumindest bei meinen eigenen Texten entdecke ich auch Jahre nach der vermeintlichen Vollendung noch Dinge, die ich anders machen würde.

Texte entstehen auf unterschiedliche Weise, je nach Schreibtyp. Manche schreiben einfach drauflos, andere planen erst akribisch alles durch, bevor sie die erste Zeile zu Papier bringen. Ich selbst gehöre eher zum non-linearen Schreibtyp: Ich habe ein grobes Konzept im Kopf und schreibe die Szenen in der Reihenfolge, wie sie mir in den Sinn kommen. Da kann das Ende auch durchaus lange vor dem Anfang geschrieben sein. Die Herausforderung besteht anschließend darin, die einzelnen losen Stücke nahtlos miteinander zu verbinden. 

Die Puzzle-Analogie

Mein non-lineares Vorgehen hat zur Entwicklung meiner Analogie vom Schreiben als Puzzle geführt; ein Puzzle, bei dem man selbst die Puzzlesteine herstellt. Man hat eine grobe Vorstellung vom finalen Gesamtbild im Kopf und gibt sich bei der Gestaltung und Zuordnung der einzelnen Steine sehr viel Mühe. Wo genau und in welcher Ausrichtung ein Stein letztendlich hingehört, das findet man manchmal nur zufällig heraus – indem man z.B. ein lang ersehntes, verbindendes Element findet.

Die Puzzle-Analogie beschreibt den Schreibprozess schön anschaulich. Guten Schreibern beispielsweise ist an besonders vielen, sinnvoll positionierten Puzzlesteinen gelegen, damit der Leser ein möglichst akkurates Bild der Geschichte erhält. Weniger geübte Schreiber geben sich vielleicht mit weniger (gut gestalteten) Steinen zufrieden, die evtl. auch an nicht logischen oder passenden Stellen eingebaut sind. Dadurch wird dem Leser ein verzerrtes, unvollständiges oder missverständliches Bild der Geschichte vermittelt. 

Bessere Geschichte durch Kürzen

Mit der Puzzle-Analogie lässt sich auch die Wichtigkeit des Kürzens schön illustrieren. Als Schreiber arbeiten wir munter alle möglichen Puzzlesteinchen wahnsinnig detailliert aus, weil wir davon ausgehen, dass sie für das Gesamtbild am Ende in irgendeiner Weise relevant sind. Trotzdem müssen wir einsehen, dass es oft vergeudete Liebesmüh ist.

Man verstehe mich hier nicht falsch: Figuren planen, Szenen ausschreiben – all das ist grundsätzlich immer sinnvoll, allein schon wegen der Übung. Aber oft tut man dem Text keinen Gefallen, wenn man die Geschichte in ein Muster zwingt oder versucht, eine Szene reinzuquetschen, die sich nicht nahtlos eingliedern mag. Um wieder mit dem Puzzle zu sprechen: Wenn ein Stein nicht passt, dann passt er nicht – auch wenn er die passende Farbe hat.

Entfernen wir alle Puzzleteile vom Tisch, die auf dem endgültigen Bild nichts zu suchen haben, erhalten wir im Endeffekt ein klareres Bild der Geschichte. Das erfordert natürlich ein hohes Maß an Selbstreflexion. Man muss sein eigenes Schaffen, bei dem man sich schließlich so viel Mühe gegeben und in das man Zeit und Liebe investiert hat, sehr kritisch hinterfragen: Braucht das Bild das wirklich? Ist die Geschichte darauf angewiesen oder funktioniert sie auch bestens ohne diesen Puzzlestein? Alles, was sich verlustfrei streichen lässt, hat im Text nichts verloren. Darum: Mut zum Kürzen! Der Text wird es danken. 

Hat man erst mal diese Schwelle überwunden, wird man merken, wie der Text durchatmet, wie die Handlung plötzlich ungehindert, unverkrampft fließt.

Aktuell bin ich beim Endspurt von Episode 1 zu Sileon. Auch hier habe ich zu viel gewollt, zu viel eingebaut, was der Geschichte letztendlich nicht gut getan hätte. Gewisse Aspekte hätten sie nur unnötig verkompliziert. Weil es gestrichen ist, spoiler ich auch nicht, wenn ich erzähle, was nicht mehr vorkommt: Einige Personen in der Geschichte konnten Gedanken lesen. Das sorgte für ein paar witzige Szenen, hätte aber im Rest der Handlung nur schwer untergebracht bzw. gerechtfertigt werden können. Durch diese Fähigkeit wären ganze Handlungsstränge einfach weggefallen, einfach weil sämtliche Konflikte durch – zack – einmal Gedanken lesen, direkt aufgelöst worden wären. Auf Kunstgriffe wie Plotholes, verwendet in diversen Filmen, wollte ich nicht zurückgreifen. Also raus damit.

Status von Sileon

Alle 12 Episoden und das Staffelfinale von Sileon sind bereits geplottet und haben ein einheitliches Cover-Konzept – Betonung auf Konzept! Die konkrete Umsetzung steht noch an. Trotzdem ist es schon viel Wert, dass ich für jeden der 13 Teile schon einen Cover-Entwurf auf dem Papier habe. Es wird pro Band ein magisches Artefakt auf dem Cover erscheinen. Das Farbspektrum beginnt bei rot und geht dann pro Band die Regenbogenfarbspektrum durch – weil Rainbows! 

Witzigerweise wird so ein Buch-Projekt aufwendiger, je näher es zu seinem Anschluss kommt. Ist das Schreiben zwar eine langwierige, aber vergleichsweise simple und spaßige Fleißarbeit, so kommt danach erst der richtige Berg von vielen, vielen kleinteiligen ToDos, wie Cover, Illustrationen, Charakter-Vorstellungen, Landkarten, Textsatz, Marketing …

Über den Text selbst möchte ich noch nicht allzu viel verraten, aber auf einige Skizzen gibt es schon mal einen Sneakpeak. 

Der Weltenschlüssel

Erste Skizze für das Korpus Delicti: Der Weltenschlüssel

 

Gregor & Roog

Erstes Treffen von Gregor & Roog

 

Gregor & Zweeb

Erstes Treffen von Gregor und Frau Zweeb.

 

Halbinsel aus Sileons Pendel

Der Schauplatz: Landkarte der Halbinsel als Basis für die digitale Überarbeitung. Es existiert bereits seit 2 Jahren eine Referenzkarte, auf der ich mit Kulli aber so viele Notizen gekrakelt habe, dass sie für Fremde mittlerweile unlesbar geworden ist.

Die ganzen Illustrationen werden am meisten Arbeit – zumal ich noch unsicher bin ob Schwarz-weiß- oder Farbdruck … 

Updates gibt es natürlich hier! 🙂

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